"Extrablatt": Ein kleines Corona – How-to

Mo, 06.04.2020 — Matthias Wolf

Matthias WolfIcon MedizinWill man auf der wissenschaftlichen Seite bei Corona am Laufenden bleiben, so ist das nicht nur hochinteressant, es ergeben sich daraus auch einige praktische Folgen, die ich hier einmal zusammenfassen möchte. Üblicherweise hört man immer nur zwei oder drei Tipps, die meistens ganz unterschiedliche Aspekte betreffen und es ist etwas schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen und daraus einen persönlichen Maßnahmenkatalog abzuleiten. Ein Versuch.

Allgemeines

(Anm: Eilige können gleich zum Punkt ›Zusammengefasst…‹ springen; hier stehen ›nur‹ ein paar grundsätzliche Anmerkungen.)

Was AGES und WHO immer noch wenigstens ›nicht sagen‹, ist, dass eine durch-die-Luft-Infektion mittlerweile zumindest als plausibel betrachtet werden muss. Das läuft über Mikrotröpfchen (<10µm), die sich bis zu 3h oder noch länger in der Luft halten können. Man spricht von sogenannten ›Aerosolen‹, die auch beim normalen Sprechen und Atmen ausgestoßen werden! Das wäre eine üble Sache. Der Sager ›das Virus hat keine Flügel‹, den Franz Allerberger (AGES)  anlässlich einer Pressekonferenz äußerte, ist rundheraus unbrauchbar. Flügel hat das Virus keine, aber es kann womöglich reiten.

Die Aussage ›bei Exposition unter 15 Minuten besteht keine Gefahr‹ ist zwar auch Quatsch (wie lang braucht man zum Husten? 16 Minuten?), aber durch die Aerosol-Infektion bekommt sie auch wieder Sinn: es gibt eine kritische Grenze an Viren, die man aufnehmen kann ohne sich zu infizieren. Natürlich ist das nicht nur bei jedem individuell, sondern hängt auch von der vorhandenen Konzentration in der Luft ab. Eine objektiv richtige Zahl, wie lang eine Exposition andauern darf, gibt es nicht.

Abbildung 1. Ein normaler Mund-Nasen-Schutz (Bild: Wikipedia)

Was die ›Masken‹ (korrekt: MNS – Mund-Nasen-Schutz) betrifft: zwar wird immer wieder gesagt, dass die ein Schutz für die Personen in der Umgebung sind und nicht für einen selbst, was freilich stimmt – aber ganz auch wieder nicht: Natürlich bilden Masken gegen Tröpfchen eine Barriere, deswegen werden sie ja empfohlen, aber eine gewisse auch gegen Aerosole. (Warum wohl tragen alle Ärzte einen Mundschutz?) Auch der zu dünne Pullover ist im Winter besser als gar kein Pullover. Aber die Maske ist kein Ersatz für irgendeine der anderen Maßnahmen, allen voran die Abstandsregel! (Die Rede ist hier übrigens von den ›normalen‹ Masken (Abbildung 1), wie sie beispielsweise auch im OP getragen werden, wie sie vor Supermärkten verteilt werden oder wie man sie leicht auch selbst anfertigen kann. Wenn man das möchte, unbedingt mehr als 1 Lage eines Baumwollstoffes vernähen, den man bei 80° und heißer waschen kann! Es ist nicht die Rede von klassifizierten FFP2- (in den USA: N95-) und -3-Masken (die man an ihrer festen Form erkennt). Diese schützen einen zwar selbst (besser), aber dafür u.U die Umgebung nicht, zumindest die mit Ausatemventil.)

Zusammengefasst, es empfiehlt sich also…

  • Abstand halten. (In geschlossenen Räumen gibt es keinen Sicherheitsabstand gegen die Aerosolübertragung. Aber wegen der Tröpfcheninfektion gilt auch dort die Regel. Generell wird 1m als Mindestabstand genannt, aber im Freien würde ich den offen gesagt je nach Windrichtung auch vergrößern. Ebenfalls wichtig: Beim Sport sind auch 2m Abstand – bspw. zum oder zur vor Ihnen Laufenden – nicht genug, wie eine belgisch-dänische Studie ergeben hat! Die einzig wirklich mit Sicherheit sichere Empfehlung lautet, auf Sport im Freien - sofern nicht ärztlich verordnet! - derzeit zu verzichten, wenn man nicht wirklich mutterseelenalleine dabei ist. Man muss sich keine Sorgen über gesundheitliche Folgen machen, wenn man wenige Wochen aussetzt oder sich einschränkt. Auch in der Wohnung kann man bei offenem Fenster Bewegung an der frischen Luft machen.)
  • Hände waschen. (Seife wäscht das Virus nicht nur weg, sondern knackt es auch chemisch) Man findet Youtube-Videos, in denen gezeigt wird, wie man das richtig (wie Ärzte) macht. Nur(!) so sind die Hände zuverlässig desinfiziert. (Ein diesbezügliches Video findet sich auch bei den ›Weiterführenden Links‹ ganz unten.)
  • Maske tragen und nach Möglichkeit nicht anfassen. (Mit normalem Waschmittel durchwaschen sollte eigentlich genügen; dabei auch noch 80° oder mehr einstellen und eventuell einen Hygienespüler verwenden, wie man ihn im Drogeriemarkt erhält. Das wirkt dann wie Gürtel+Hosenträger+mit beiden Händen den Bund festhalten, wenn man seine Hosen nicht verlieren will.)
  • Den Griff ins Gesicht vermeiden. Leichter gesagt als getan, greifen wir uns doch etwa 10× pro Stunde ins Gesicht – meistens, ohne es zu merken. Ist es unvermeidlich, versuchen, nicht die Finger zu benützen, sondern beispielsweise mit der Außenseite des Handgelenks kratzen.
  • Die Maske selbst nur an den Bändern anfassen und nach jedem Abnehmen sofort Hände waschen.
  • Vor dem nächsten Tragen desinfizieren, am besten gleich nach dem Abnehmen. Auch Einwegmasken, die sich nicht oder nur schlecht waschen lassen, kann man mit dem Bügeleisen oder im Backrohr gut desinfizieren. Beim Backrohr empfiehlt sich aus Vorsichtsgründen keine ›Heißluft‹ zu benützen; das könnte noch nicht inaktivierte Viren mit der Abluft in die Raumluft verfrachten.
  • Aufenthalte in geschlossenen Räumen (fremde Büros, Besprechungsräume, Geschäfte, Lager, Werkstätten, öffentliche Verkehrsmittel, Taxis etc.) so kurz wie möglich halten
  • Oft lüften (wenn das geht. Es dürfte etwas schwierig sein, den Supermarkt zu lüften. Aber das Büro zum Beispiel. Oder im Taxi kann man das Fenster aufmachen. Auch, wenn man einen Raum betritt und/oder alleine ist! Es könnte genügen, wenn ein Überträger bis zu 3h oder länger vorher drin war.) Damit drückt man die Aerosolbelastung schnell auf praktisch 0.
  • Aufzüge meiden. Auch Solofahrten eher unterlassen. Einerseits ist das gut, weil man eine möglicherweise vorhandene Aerosolbelastung so im wahrsten Wortsinn umgeht, aber andererseits auch, weil man dadurch Bewegung macht. (So weit mir bekannt ist, wurden bisher keine Infektionen durch Aufzugkabinen nachgewiesen – was in gewisser Weise eine gute Nachricht ist, weil Corona zwar hoch- aber eben nicht höchstansteckend ist. Aber Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste! Und ich plane nicht, jener Fall zu werden, mit dem man den Aufzug als Übertragungsweg nachweist.) Ist eine Aufzugfahrt unvermeidlich, nicht einsteigen, solange man außer Atem ist!
  • Handschuhe. Schmierinfektion ist möglich, wenn auch unwahrscheinlich. Aber wenn etwas direkt angespuckt/-niest/-hustet wurde, kann es ›klappen‹. Stehen keine Handschuhe zur Verfügung, kann man versuchen, eine ›saubere‹ und eine ›nicht saubere‹ Hand zu praktizieren. (Z.B.: Einkaufswagen nur mit einer Hand schieben, nur mit der anderen Hand die Brille zurechtrücken.) Und freilich so schnell wie möglich Hände waschen. Sollten Einweghandschuhe gerade nicht erhältlich sein, werfen Sie einen Blick in Ihre Autoapotheke! Auch die lassen sich übrigens 1× problemlos bei 80° desinfizieren (dann beginnt sich der Gummi aufzulösen). Und natürlich ganz wichtig: Der Handschuh verhindert nur eine direkte Ansteckung über die Hände (was bei gesunder Haut ohnehin sehr unwahrscheinlich erscheint). Aber selbst ist er genauo infektiös wie die ungeschützte Hand wäre und man muss sich auch behandschuht den Griff ins Gesicht verkneifen!
  • Den Umgang mit Bargeld meiden. Schmierinfektion ist zwar unwahrscheinlich, aber Bargeld geht durch viele und unbekannte Hände. Bankomatkarten mit dem "Wellensymbol" kann man zum berührungslosen Bezahlen an der Bankomatkasse, durch einfaches davor Halten ohne Codeeingabe, benützen. Denken Sie daran, dass auch jede Bankomaten- und -kassentastatur als kontaminiert betrachtet werden sollte.
  • Ein ›Protokoll‹ zum Ablegen der Schutzausrüstung zurechtlegen (und einhalten!): Erst die Handschuhe infektionsfrei abstreifen, dann die Maske lösen und vom Gesicht weg abnehmen; desinfizieren. (Entsprechende Videos unten bei den ›Weiterführenden Links‹) Hände waschen! Einen eigenen Platz zum Ablegen der Ausrüstung vorsehen, den man als kontaminiert betrachtet. Den immer wieder desinfizieren. Die Glasplatte eines Herdes könnte gut geeignet sein: meistens frei, leicht zu reinigen, Backrohr in unmittelbarer Nähe, desinfiziert sich bei Benützung von selbst, falls es einmal vergessen oder nicht ordentlich gemacht wurde. (Hinweis: Ganz am Ende der Seite, nach dem Artikel, beschreibe ich in einem Kommentar, wie mein Protokoll aussieht.)
  • Die keimbelastetsten Flächen im Haushalt sind mit Abstand die PC-Tastatur und die Maus! Dann und wann mit Desinfektionsmittel besprühen kann nicht schaden. (71%-iges Ethanol killt das Virus innerhalb einer Minute.)
  • Ob man die ›Stopp Corona‹-App des Roten Kreuzes installieren möchte, muss jeder für sich entscheiden. Dateschutzbedenken halte ich für völlig aus der Luft gegriffen. (Und das sage ich nicht nur so dahin.) Seit der am 10.4. ausgerollten Release kann sie Kontakte automatisch registrieren, wodurch sie im Sinne der Seuchenbekämpfung, aber auch zum Schutz des unmittelbaren eigenen Umfelds jedenfalls sinnvoll erscheint. Ein länderübergreifendes System für die gesamte EU ist ebenfalls in Vorbereitung.
  • Und last, but not least: Stay home. Ein einziges falsch in Deine Richtung gesprochenes Wort kann genügen. Das gilt leider auch bei schönem Wetter. Sprechen Sie keine Einladungen aus und nehmen Sie keine an. Auch nicht zu den Osterfeiertagen; das Virus ist nach aktuellem Kenntnisstand völlig atheistisch und respektiert keine religiösen Feiertage. Und übrigens: Einkäufe sind keine Familienevents! Betrachten Sie den Einkauf als notwendiges, einzugehendes Risiko, halten Sie ihn so selten und so kurz wie möglich (was einander widerspricht; wie man das auflösen kann, weiß ich auch nicht) und gehen Sie alleine.
  • Update ›Restaurantbesuch‹: Auch, wenn es nicht ›vorgeschrieben‹ ist, dürfte es ratsam sein, auch als Gast Maske zu tragen, die man nur zum Essen abnimmt. Denken Sie auch daran, dass ein Huster schnell eine Speisekarte treffen kann; ich für mein Teil werde daher bis zum Essen auch Handschuhe tragen bzw. nach dem Bestellen die Hände waschen gehen. Von Geschirr und Besteck sollte eigentlich keine Gefahr ausgehen.

Aber man kann präventiv auch die Abwehr stärken

  • Vitamin D, so wird vermutet, dürfte dem Virus das Andocken erschweren. (Vitamin D entsteht auf natürliche Weise in der obersten Hautschicht durch Einstrahlung des UVB-Anteils im Sonnenlicht. Allerdings ist das in unseren Breiten nur circa von Mai bis August der Fall. Die dann gebildeten Vitamin D-Depots im Organismus sind bereits zu Winterbeginn erschöpft - unter anderem könnte dies auch zur Grippewelle im Winter beitragen. Hier hilft dann die Supplemetierung mit käuflichem Vitamin D, da man den Vitamin D-Bedarf aus Nahrung kaum decken kann. Außer, man isst viel fetten Fisch (und zwar recht viel). Aber, wie die Ameise schon sagte: »Jedes Bisschen hilft!« (und dann pinkelte sie in die Donau). )
  • Vitamin C und Zink geben dem Immunsystem, was es zum Arbeiten braucht. (Die beste Vitamic C-Quelle sind bei unserer Ernährungsweise – Trommelwirbel – Fleischprodukte und vor allem Wurstwaren. Denn Vitamin C – Ascorbinsäure – ist ein Antioxodans, das das Grauwerden verhindert. Wenn's also im Hals kratzt: ein anständiges Wurstbrot! Beim Obst hängt es nämlich leider sehr davon ab, wie lang es gelagert wurde.)
  • Ausreichend Bewegung und Schlaf

Das sollte einen eigentlich aus dem Gröbsten halbwegs zuverlässig heraus halten. Die Liste kann natürlich jederzeit ergänzt werden und ist KEINE GARANTIE! Eine solche gibt es nicht.

Xund bleim!

P.S. Noch ein kleiner Tipp zum Abschluss: Sie möchten vielleicht von Zeit zu Zeit wieder hier vorbeischauen. Nicht nur um ›aufzufrischen‹, sondern weil sich dann und wann neue Details ergeben können, die wir natürlich einpflegen. Vielleicht wollen Sie sich ein ›Bookmark‹ im Browser setzen (bei vielen mit Strg+D).


Disclaimer

Die Information im Artikel wurde vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen sorgfältig zusammengestellt und wurde gegengelesen. Dennoch können weder IScO noch der Autor irgendeine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der dargestellten Empfehlungen übernehmen oder etwaige Haftungsansprüche daraus anerkennen. Die Befolgung oder Nichtbefolgung einzelner oder aller genannten Ratschläge erfolgt auf eigene Verantwortung.


Weiterführende Links

22.05.2020: Kann Vitamin D vor Corona schützen?

Comments

  • Vor dem Verlassen der Wohnung Backrohr öffnen, Lade mit Rost heraus ziehen. Türen, welche man zu sich hin öffnen muss, offenstehen zu lassen verhindert, dass man beim Heimkommen Klinken anfassen muss.
  • Beim Heimkommen 1. Weg zum Herd
  • Handschuhe und Maske ausziehen und auf den Rost legen (dadurch erspar ich mir auch die o.a. Herdplatte)
  • Hände waschen!
  • Fenster auf, Herd an bei ≥80°, keine Heißluft, eher 2 als 1h drin lassen. (Die Energie rennt sowieso größtenteils ins Aufheizen, kaum ins Halten der Temperatur.) Meine Faustregel: wenn ich mich frag ›ob's wohl schon reicht?‹, lautet die Antwort ›nein‹. (Festgestellt wurde, dass 30 Minuten bei 65-70° genügen. Aber zum einen isoliert Maskenmaterial hervorragend, zum anderen will ich mich nicht auf den Thermostat eines Haushaltsgeräts verlassen).

So ist auch ausgeschlossen, dass Klappe und/oder Knebel infiziert werden – so unwahrscheinlich eine Schmierinfektion auch sein mag.

Immer dran denken: Der Teufel holt dich verkleidet als Schlendrian!

Xund bleim!

(Es gilt derselbe Disclaimer wie unter dem Artikel.)

Etwas skeptisch macht mich, dass mein Herd auch ohne Heißluft einen Abluftstrom ausleitet!

Das kann eigentlich nur von der Geräteaußenseite stammen, um nicht zu viel Hitze an die Küchenzeile abzugeben und sollte harmlos sein.

Wie auch immer: zu viele Konjunktive. Ich mache das bei geöffnetem Fenster.

Neue Ergebnisse zeigen, dass weltweit signifikant weniger Raucher unter den Covid-19-Patienten sind als im Bevölkerungsdurchschnitt (bis zu 80%)! Wir haben die Empfehlung, mit dem Rauchen aufzuhören, daher entfernt. (Was natürlich andererseits ausdrücklich keine Empfehlung zu rauchen ist!)